Tabak und Porzellan
Das von Böttger 1708 erstmals hergestellte weiße Hartporzellan wird zu einem der wichtigsten Werkstoffe der Pfeifenherstellung. Bereits in den ersten Meißner Inventaren werden hunderte Pfeifenköpfe aus braunem Böttger-Steinzeug angeführt. Zunächst folgte man der Form der holländischen Tonpfeifen und stellte Pfeifen aus einem Stück mit fest verbundenem Pfeifenrohr her. Bald wurde diese Grundform von sogenannten Gesteckpfeifen abgelöst, bei denen lediglich der figürlich gestaltete Kopf aus Porzellan war, das Rohr hingegen aus Holz. Besonders beliebt war das Motiv des "Janitzar", eines Türken mit Turban, der bereits seit 1711 in den Inventaren aufscheint.
Jene Meister, die sich in Meißen der Porzellantabatière widmeten tauchen auch in Zusammenhang mit den Pfeifenköpfen wieder auf. Johann Joachim Kändler beispielsweise notiert 1743: "Etliche neue Tobacks Köpfe, woran unterschiedlicher Gesichter befindlich, corrigiret un zum abformen gegeben." 1
Auch die Porzellanmanufakturen in Sevrès und in Wien stellten Porzellanpfeifenköpfe her.
Im Grunde genommen eignete sich Porzellan allerdings schlecht zur Pfeifenherstellung. Der Pfeifenkopf wurde schnell glühend heiß und löste damit beim Rauchen eine übertriebene Kondensatbildung aus. Diese Nachteile führten zur Entwicklung verschiedener, eingebauter Kühlsysteme und machten außerdem die Verwendung eines Wassersackes notwendig, in dem sich das Kondensat sammeln konnte. Nach Gebrauch der Pfeife konnte dieser Wassersack abgeschraubt und das Kondensat entleert werden.
Trotz ihrer schlechten Raucheigenschaften erlebt die Porzellanpfeife im Biedermeier eine Hochblüte. Ihr Reiz lag in der farbigen Bemalung, die unendliche Gestaltungsmöglichkeiten bot.
Mit der Entwicklung von Aufdruck- und Umdruckverfahren wurde ihre serienmäßige Herstellung zu einem relativ geringen Preis möglich, der sie, im Unterschied zur teuren Meerschaumpfeife, für alle sozialen Schichten erschwinglich werden ließ.
Nahezu jede Berufsgruppe hatte eigene Porzellanpfeifen mit entsprechendend charakteristischer Bemalung. Für den langsam aufkommenden Tourismus bot sie, versehen mit Landschaftsporträts oder Städtewappen, ein ideales Souvenir. Die Möglichkeit, sie mit persönlichen Widmungen oder Sinnsprüchen zu versehen, machte die Porzellanpfeife zu einem beliebten Geschenk. Auch als Träger politischer Gesinnung eignete sie sich vorzüglich, wie die Wiener Studentenpfeifen aus dem Revolutionsjahr 1848 anschaulich illustrieren. Im Vormärz wird die Porzellanpfeife nämlich zum Ausdruck revolutionärer Gesinnung und dem öffentlichen Rauchverbot zum Trotz von den Studenten auf der Straße geraucht.
Selbstverständlich machte die Porzellanpfeife auch vor Personen des öffentlichen Lebens nicht halt, ein Umstand, den Goethe empört konstatiert: "Zu haben bin ich wie der alte Fritz auf Pfeifenköpfen und Tassen." 2
Die Reservistenpfeife, die sich der Soldat am Ende der Militärzeit - versehen mit der Regiments- und Kompanienummer - zulegte, war oft mit aufwendig gedrechselten Pfeifenrohren aus Horn mit Perlmutteinlagen versehen, die über einen Meter Länge erreichen konnten.
1 P. W. Meister: Porzellan des 18. Jahrhunderts, Bd. I., Meißen
2 Johann Wolfgang Goethe: Gedichte: Lauf der Welt, 1766 - 1832
Ausstellungsobjekte (Auswahl)
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Pfeife rauchender Student, Deutschland vor 1850
Künstler unbekannt Pastell auf Papier 21 x 17,5 cm Inv. Nr. 1724
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Im Revolutionsjahr 1848 wurde das öffentliche Rauchen einer Pfeife, das wegen der drohenden Feuergefahr verboten war, zum Ausdruck revolutionärer Gesinnung. Vor allem die Studenten rauchten Porzellanpfeifen, die mit politischen Parolen geschmückt waren.
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Raucherstilleben, Deutschland um 1890
August Holmberg (1851 - 1911) öl auf Holz 29,8 x 37,2 cm Inv. Nr. 1766
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Das Stilleben zeigt unter anderem eine Porzellanpfeife deren Kopf durch den Kopf einer Orientalin gebildet wird. Der ungewöhnlich aufwendig und kostbar gearbeitete Holm weist diese Pfeife als Luxusobjekt aus, das neben kostbarem Glas, einer in Gold gefassten Tabatière und einem Ring mit Monogramm zur Schau gestellt wird.
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Rauchergesellschaft, Mitte 19. Jh.
Friedrich Kiesewetter Porzellan 32,8 x 39 cm Inv. Nr. 7787
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Der Text des Bildes: "Dem hochverehrten Tabaks-Collegium zu Görlitz einen freundlichen Gruß von Friedrich Beckmann in Wien" und "Berliner Weiszbier" erklärt die Darstellung. Da im 19. Jahrhundert den Damen Tabakgenuss verboten war, zog sich die Herrengesellschaft zu Tabakkollegien ins Kaffee- oder Wirtshaus zurück.
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Rauchende Kartenspieler in der Wirtsstube, österreich um 1880
Ernst Juch (1838 - 1909) öl auf Holz 29,3 x 40 cm Inv. Nr. 1767
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Das Bild zeigt rauchende Kartenspieler in der Schankstube im Gasthaus "Gusterschitz", Bandgasse Ecke Kandlgasse in Wien.
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Otto Bismarck, Deutschland um 1885
Künstler unbekannt öl auf Leinwand 35,2 x 27,8 cm Inv. Nr. 6948
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Das Porträt zeigt den Kanzler beim Rauchen einer langen Porzellangesteckpfeife.
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Pfeifenkopf, Meißen 18. Jh.
Porzellan 6,1 x 4,8 cm Inv. Nr. 3400
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Der "Janitzar", ein Orientale mit Turban, war ein beliebtes Motiv, das seit 1711 in den Inventaren der Meißner Porzellanmanufaktur aufscheint.
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Pfeifenkopf, Deutschland 18. Jh.
Porzellan, Metall 7,3 x 7 cm Inv. Nr. 6892
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Köpfe in Gestalt einer Orientalin mit Turban wurden im 18. Jahrhundert in leicht abgewandelter Form in verschiedenen Porzellanmanufakturen hergestellt.
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Pfeifenkopf, österreich, um 1810
Wiener Porzellanmanufaktur Porzellan, Silbermontierung 10,5 x 7,2 cm Inv. Nr. 2398
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Die charakteristische Form des mit einem Wappen bemalten Pfeifenkopfes entstammt dem Musterkatalog der Porzellanmanufaktur Wien.
Lit. Austria Tabak - Die Sammlung, Wien 1991, p. 83.
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Pfeifenkopf, England ca. 1750
Wedgwood-Porzellan, Prägung unleserlich 9,2 x 7,3 cm Inv. Nr. 3397
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Das nach dem englischen Keramikkünstler Josiah Wedgwood (1730 - 1795) benannte Steingut wurde auch für die Herstellung von Pfeifenköpfen verwendet. Sie zeigen die charakteristischen klassizistischen Motive in Weiß auf blauem Grund.
Lit. Austria Tabak - Die Sammlung, Wien 1991, p. 83.
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Pfeifenkopf, Böhmen 19. Jh.
Johann Zacharias Quast (1814 - 1891) Manufaktur Pirkenhammer Porzellan, Metalldeckel 11 x 2,7 cm Inv. Nr. 4620
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Der handbemalte Porzellanpfeifenkopf ist ein Werk des Porzellanschmelz- und Porträtmalers Johann Zacharias Quast, der für seine Leistungen auf der Londoner Weltausstellung 1851 eine Goldmedaille erhielt.
Lit. Genuß und Kunst, Schallaburg 1994, p. 343.
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Pfeifenkopf, Böhmen, 19. Jh.
Zugeschrieben Johann Zacharias Quast (1814 – 1891) Manufaktur Pirkenhammer Porzellan, Metalldeckel 11,5 x 3,1 cm Inv. Nr. 4627
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Ein goldgefasstes Medaillon zeigt das Porträt einer Dame, darum herum sind streumusterartig diverse kleine Bilder und Spielbretter angeordnet, darunter befindet sich ein Zettel mit dem Text: "Trau keinem Freund auf dieser Erden, du kannst sonst leicht betrogen werden; denn schnell, wie Tabakrauch verschwindet, sich oft der Freundschaft Ende findet."
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Pfeife, Nürnberg vor 1830
Johann Leonhard Geiser Porzellan, Metall, Holz 31,2 x 5,8 cm Inv. Nr. 2880
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Der handgemalte Dekor dieses Pfeifenkopfes mit Insekten und einem Schmetterling ist ein Beispiel für die erstklassige Porzellanmalerei, die die frühen Pfeifenköpfe aufwiesen.
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Pfeife, Meißen 19. Jh.
Porzellan, Metall, Horn 24,8 x 7,2 cm Inv. Nr. 1967
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Der aufwändig handbemalte Kopf zeigt eine Interieurszene mit zwei Mädchen in einem Zimmer.
Lit. Austria Tabak - Die Sammlung, Wien 1991, p. 84.
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Pfeifenkopf, Deutschland 19. Jh.
Porzellan 12,3 x 3,3 cm Inv. Nr. 8427
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"Der wilde Jäger" ist der Titel dieses Pfeifenkopfes, der eine goldgerahmte Darstellung trägt, die einen Jäger mit Armbrust und eine vor ihm kniende, einen weißen Hirsch vor ihm schützende Dame zeigt.
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Pfeifenkopf, 1. H. 19. Jh.
Porzellan, Metallmontierung 12 x 3,1 cm Inv. Nr. 8290
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Dieser in einem Stück gefertigte Pfeifenkopf ist ein Beispiel für eine Jagdpfeife. Sie zeigt einen Jäger auf der Pirsch.
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Pfeifenkopf, österreich um 1880
Porzellan 12,7 x 3,1 cm Inv. Nr. 3812
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Der Dekor dieser Pfeife ist ein Beispiel dafür, dass Porzellanpfeifen oft tagespolitische Motive zeigen: der auf Geldsäcken stehenden Ferdinand Lasalle. (Text "Lasalle") hält in der rechten Hand ein Schwert, in der linken eine Rote Fahne mit der Aufschrift "Social Demokratie (sic) Menschenrechte".
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Pfeife, österreich um 1914
Porzellan, Silber, Holzholm, Hornmundstück 50,5 x 6,5 cm Inv. Nr. 13211
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Diese Militärerinnerungspfeife stammt aus dem Besitz des Dragoners Paul Dörfler. Sie zeigt auf dem Pfeifenkopf eine Abschiedsszene. Der Wassersack ist mit zwei gekreuzten Gewehren, einem Säbel im Laubkranz und einem Doppeladler geschmückt. Der silberne Aufsteckdeckel trägt eine Photographie.
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Pfeife, österreich um 1914
Porzellan, Holzholm, Hornmundstück 39,9 x 3,4 cm Inv. Nr. 17013
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Diese Reservistenpfeife des Martin Schäfer zeigt einen deutschen und einen österreichischen Soldaten, die sich die Hand reichen. Gekrönt wird diese Szene von zwei Medaillons mit den Büsten Franz Joseph I. und Wilhelm II. Dazu liest man den Text "Es ist ein Spruch von Eisen, der heisst Soldatentreu. Erinnerung a. d. Feldzug 1914". Der Wassersack ist mit Militaria und einem Sinnspruch geschmückt.
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Pfeifenkopf, Deutschland ca. 1840
Porzellan 13,3 x 3,7 cm Inv. Nr. 1636
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Diese Studentenpfeife zeigt einen pfeiferauchenden Studenten mit grünem Deckel und rot-weiß-schwarzem Burschenband, der sich einen Besen umschnallt. Dazu der Bilduntertitel: "Schnallt sich einen Besen an".
Lit. Austria Tabak - Die Sammlung, Wien 1991, p. 82. Rupp/Fellner: Die lasterhafte Panazee - 500 Jahre Tabakkultur in Europa, Wien 1992, p. 145.
