Die Tabaktrafik
Da der Tabak nach seiner Einführung in Europa zuerst als Heilmittel galt, wurde er zunächst in Apotheken verkauft. Der Tabak wurde in unterschiedlichster Form als Medizin verabreicht. Er wurde zu ölen, Salben und Sirup verarbeitet, man legte die Blätter auf oder schnupfte sie in geraspelter Form. Vor allem wurde immer wieder die austrocknende Wirkung des Tabaks betont. Die Vorstellung vom Gleichgewicht der Säfte im Körper machte den Tabak, der gegen "alle zähen, dicken, phlegmatischen Flüsse und Feuchtigkeiten" half, zu einem wichtigen medizinischen Heilmittel. Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde das sogenannte Tabakklistier zur Wiederbelebung von Ertrunkenen eingesetzt.
Erst nach und nach wurde der Tabak als Genussmittel entdeckt. Der kurpfälzische Gesandte Johann Joachim von Rusdorff schildert 1627 seine erste Begegnung mit dem Rauchen: "Ich kann nicht umhin, mit einigen Worten jene, erstaunliche und vor wenigen Jahren aus Amerika nach unserem Europa eingeführte Mode zu tadeln, welche man eine Sauferei des Nebels nennen kann, die alle alte und neue Trinkleidenschaft übertrifft. Wüste Menschen pflegen nämlich den Rauch von einer Pflanze, die sie Nicotina oder Tabak nennen, mit unglaublicher Begierde und unauslöschlichem Eifer zu trinken und einzuschlürfen" 1.
Erst mit der zunehmenden Verbreitung des Tabaks als Genussmittel und der gesellschaftlichen Akzeptanz des Rauchens entwickelten sich ab 1630 eigene Tabakgeschäfte. In diesen "Tabagien", wie sich die Tabakläden nannten, konnte der Tabak nicht nur gekauft sondern auch gleich konsumiert werden. Geraucht wurde das neue Kraut aus Tonpfeifen, deren Form man den Rauchgeräten der Indianer, tönerne Röhren, die eine ausgehöhlte Verdickung am Ende aufwiesen, nachempfand. Die ersten Pfeifen, die man in England herstellte, waren aus hellem Ton gefertigt, hatten einen kurzen Stiel und einen kleinen, in stumpfem Winkel angesetzten Kopf.
Tabakhandlungen gab es bald überall dort wo geraucht wurde. In österreich jedoch entstand eine eigene Form der Tabakhandlung - die Institution der Trafik. Der Begriff stammt aus dem Arabischen: "tafriq – das Verteilen." Der Trafikant taucht erstmals 1784 in einem Handschreiben Josephs II. an seinen Kanzler den Grafen Kolowrat auf. Hier wird die Trafik bereits als Mittel zur Versorgung für Kriegsinvalide und Soldatenwitwen angeführt. Johann Hofer, der Sohn von Andreas Hofer wurde beispielsweise für den Heldenmut seines Vaters mit einer Trafik belohnt.
Das damalige Signet der Trafik war der Tschibuk rauchende Orientale: in öl auf die Läden gemalt, als Schild über dem Eingang oder in Form einer Holzfigur. Der Tschibuk ist eine Sonderform der Tonpfeife, die von den Türken entwickelt wurde. Der Name bedeutet eigentlich Stab oder Rohr und wurde auf diese Pfeifenform übertragen, deren Rohre eine Länge von bis zu fünf Metern erreichen konnten. Der Kopf dieser Pfeife war aus gebranntem Ton gefertigt und auf der Unterseite abgeflacht um sie auf den Boden stellen zu können, da diese Form der Pfeife liegend oder auf dem Boden sitzend geraucht wurde, wie auf den Trafikschildern bis weit in das 19. Jahrhundert hinein deutlich zu sehen ist.
Die ersten Trafiken waren kleine hölzerne Hütten, in denen der Tabak offen, mit der Waage abgewogen, verkauft wurde. "Beim Tabakkrama kommen d'Leut z'samma..." 2 wie das Pfeifenkramerlied, in Altwien eines der bekanntesten Bankelgesänge, das die neben dem Tabakverkauf wichtigste Funktion der Trafik beschreibt. Sie war Treffpunkt und Umschlagplatz für die neuesten Gerüchte. So findet die Trafikantin Valerie in ödon von Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald" als kommunikatives Zentrum Eingang in die Literatur. Ganz entscheidender Bestandteil der Trafik war wie sich hier zeigt die Trafikantin: war sie älter, ließ sich manch junger Mann von ihr aushalten, war sie jung und hübsch, war sie begehrtes Objekt der Verführung. Je eleganter und komfortabler die Trafik, desto schöner auch die Trafikantinnen.
"Jetzt bist du zu alt geworden, um Trafikantinnen zu verführen" muss der aus dem Krieg kommende Joseph Trotta aus Joseph Roths "Kapuzinergruft" ganz in diesem Sinne erfahren. 3
In noch anderer Hinsicht stand die Trafik in Verbindung mit dem schönen Geschlecht. Erzherzog Otto, der Vater Kaiser Karls I. pflegte seine Liaisonen mit Tabaktrafiken abzufinden.
Auch bei Joseph Roth taucht immer wieder die Trafik auf, wie etwa in "Die Büste des Kaisers" als Zeichen der Einheit der Monarchie: "Wenn man so kreuz und quer durch die Mitte dieses vielfältigen Vaterlandes fuhr: überall waren die hölzernen Türen der k.u.k. Tabaktrafiken mit schwarz-gelben Diagonalstreifen bemalt..." 4
Die schöne Trafikantin findet sich auch in dem UFA-Tonfilm "Die kleine Trafik" wieder, in der unter anderen Willi Fritsch, Lizzi Holzschuh, Käthe von Nagy, Gustav Waldau, Adele Sandrock und Hans Moser mitwirkten.
1 J. J. Rusdorff, Metamorphosis Europae, 1627
2 F. Schlögl, "Wienerisches. Kleine Culturbilder aus dem Volksleben der alten Kaiserstadt an der Donau", Band 3, Wien 1883
3 J. Roth, Die Kapuzinergruft, 1938
4 J. Roth, Die Büste des Kaisers, 1934
Ausstellungsobjekte (Auswahl)
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Im Kontor des Tabakhändlers, ca. 1760
Johann Faber (tätig in Den Haag um 1754) öl auf Leinwand 85 x 99 cm Inv. Nr. 13029
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Die Darstellung zeigt das Kontor eines Holländischen Tabakimporteurs, der soeben eine Lieferung Tabak aus den holländischen Kolonien erhalten hat. Im Hintergrund öffnet ein Angestellter eines jener Fässer in denen bis ins 19.Jahrhundert Tabak transportiert wurde. Auf dem Schrank stehen zwei Delfter Tabaktöpfe, die zur Aufbewahrung kleinerer Mengen Tabaks dienten.
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Tabaktopf, Holland 18. Jh.
Fayence 42 x 26 cm Inv. Nr. 4794
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Die Delfter Tabaktöpfe, die zur Aufbewahrung des zum Kauf angebotenen, losen Tabaks dienten, weisen eine charakteristische blaue ornamentale Bemalung auf, die oft durch den Namen der Tabaksorte ergänzt wird, wie bei diesem Beispiel "Tabac Royal". Als Verschluss dient ein Messing- oder Kupferdeckel.
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Tabaktopf, Holland 18. Jh.
Delfter Porzellan 37 x 27 cm Inv. Nr. 4981
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Dieser Topf weist eine bauchige, sich nach unten stark verjüngende Form auf. Der Markenname "Martenike" ist von blauem ornamentalem Dekor umgeben.
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"De Tabaco Exercitationes Quatuordecim" (4. Auflage), Amstelodami (Amsterdam) MDCLXIX (1669)
Joannis Chrysostomi Magneni 12 x 7,4 cm Inv. Nr. 4506
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Tabak, der in Europa längere Zeit nach seiner Entdeckung als Heilmittel galt, wurde zunächst in Apotheken verkauft. Erst mit der zunehmenden Verbreitung des Rauchens entwickelten sich um 1630 eigene Tabakgeschäfte. Das Frontispiz dieses Buches zeigt das Innere einer "Tabagie", wie sich die ersten Tabakläden nannten, in denen der Tabak auch gleich konsumiert wurde. ähnlich wie in einem Kaffeehaus sitzen die Kunden an kleinen Tischen und rauchen gemeinsam Pfeife.
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Rauchender Orientale, österreich um 1800
Holz 74,5 cm Inv. Nr. 19
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Der einen Tschibuk rauchende Orientale war seit dem 17. Jahrhundert das Zeichen der Tabakhandlung. In österreich ist er gemalt oder als Holzskulptur das Zeichen für die Trafik.
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Trafikschild, österreich um 1800
Holz 121 x 64 cm Inv.Nr. 71
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Der rauchende Orientale vor einer stimmungsvollen Landschaft in der Abenddämmerung ist ein außergewöhnlich qualitätsvolles Beispiel eines Trafikschildes.
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Sammlung vom 13. November 1783 bis 31. Dezember 1808 der Normal Vorschriften in Tabackgefälls Angelegenheiten, Wien 1828.
J. G. Mengele v. Mühlfeld 37,5 x 25,2 cm Inv. Nr. 11
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Dieses Buch enthält Verordnungen und Vorschriften für den Handel mit Tabak.
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Kopf eines rauchenden Orientalen, österreich um 1830
Holz 73 x 35 cm Inv. Nr. 81
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Auch dieser Holzkopf eines rauchenden Orientalen der statt eines Tschibuks das Schlauchmundstück einer Wasserpfeife zwischen den Lippen hält, diente als Werbezeichen für eine Trafik.
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Entwurf für eine Trafiktafel, österreich um 1823
Leopold Steinrucker (1801 - 1879) Bleistift auf Papier 37 x 43 cm Inv.Nr. 8387
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Der Entwurf zeigt in etwas abgewandelter Form das Motiv des rauchenden Orientalen, die Szene ist durch einen Feuer gebenden Sklaven erweitert.
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Holzläden einer Tabaktrafik, österreich um 1830
Peter Johann Nepomuk Geiger (1805 - 1880) öl auf Holz 182 x 52,6 cm Inv. Nr. 1889, 1890
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Die Holzläden einer Wiener Tabaktrafik zeigen den üblichen Tschibuk rauchenden Orientalen und das Tabaksortiment, das in einer Trafik zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhältlich war.
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Trafikschild, 1827
öl auf Holz 34,8 x 28,8 cm Inv. Nr. 6837
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Auch der Doppeladler diente als Zeichen der österreichischen Trafiken.
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Trafikschild, 1. H. 19. Jh.
Holz 36 x 47,5 cm Inv. Nr. 6832
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Dieses Trafikschild zeigt neben dem Doppeladler einige Tabaktöpfe und eine Pfeife.
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Trafikschild, österreich 2. H. 19. Jh.
Blech 61,9 x 30,5 cm Inv. Nr. 6836
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Dieses Blechschild zeigt eine weitere Variante des Trafikschildes, den rauchenden Orientalen in einem Tabakladen. Neben Tabaktöpfen ist der als Strang gewickelte Tabak zu sehen, von dem für den Kunden nach Bedarf ein Stück abgeschnitten wurde.
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Trafikschild, österreich 2. H. 19. Jh.
Metall auf Holz 94 x 74,3 cm Inv. Nr. 6827
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Dieses Trafikschild besteht aus einem in Gusseisen gefertigten Doppeladler, der auf eine Holztafel montiert ist.
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Trafikschild, österreich 1. D. 19. Jh.
Holz 55,5 x 36,3 cm Inv. Nr. 5132
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Dieses einfach gestaltete Trafikschild verrät uns den Namen des Ladeninhabers: "Michael Gapp". Dargestellt ist unter anderem auch die Waage, mit der der offen verkaufte Tabak abgewogen wurde.
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Trafikschild, österreich 1918-34
Blech 37,6 x 26 cm Inv. Nr. 5140
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Dieses einfache Blechschild entstammt der Zwischenkriegszeit.
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Trafik in der Singerstrasse, um 1900
Franz Alt (1821 - 1914) Aquarell 40 x 32,8 cm Inv. Nr. 6260
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Franz Alt schildert das rege Kommen und Gehen in einer Trafik in der Wiener Innenstadt, die als Treffpunkt und Umschlagsplatz für den neuesten Tratsch diente.
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Illustrierter Warenkatalog der österreichischen Tabak Regie, 1. Auflage, Wien 1928
Franz von Zülow (1883 - 1963) 26, 9 x 20,9 cm Inv. Nr. 17949
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Der Katalog zeigt reich illustriert das Sortiment der österreichischen Tabakregie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Neben Franz von Zülow entwarfen in den 20er und 30er Jahren zahlreich namhafte Künstler Packungen, Plakate und Warenkataloge für die österreichische Tabakregie.
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Zwei Raucherkarten, Wien 7.2.-5.3.1944 und 16.9.-13.10.46
Inv. Nr. 9145
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Durch den Mangel an Tabakwaren sah man sich gezwungen sogenannte Raucherkarten einzuführen, Kontrollkarten, die Männer ab 18 und Frauen ab 25 beziehen konnten. Für die Raucherkarten erhielten Männer bis 1943 6 Zigaretten pro Tag, Frauen 3 Zigaretten. Ab 1943 sank die Zuteilung auf drei Zigaretten und man hatte keinen Anspruch mehr auf eine bestimmte Sorte.
