Tabak bei Hofe
Kaiser Franz Joseph I. war bezüglich seiner eigenen Person wohl einer der anspruchslosesten Monarchen seiner Zeit. Sein Tagesablauf war strengstens reglementiert und sein Privatleben wies abgesehen von gelegentlichen Theaterbesuchen und seiner geliebten Jagd keinerlei Extravaganzen auf. Er trank nicht und aß sehr maßvoll. Dennoch hatte er ein Laster: er rauchte! Und darf man den Berichten von Zeitzeugen glauben, bisweilen sogar recht heftig: "Saß aber der Kaiser mit dem Grafen Paar allein im Coupé, so beschränkte sich die Unterhaltung beider auf das Entwickeln ungeheurer Rauchwolken, so dass manchmal durch den dicken Tabakqualm kaum mehr Kaiser und Generaladjutant zu unterscheiden waren" berichtet Leibkammerdiener Ketterl in seinen Erinnerungen. 1
Tatsächlich finden sich in den Archiven auch zahlreiche Bilddokumente, die den Monarchen mit Zigarre zeigen und unzählige Anekdoten, die sich um den Tabakkonsum Kaiser Franz Josephs ranken. So stand auch sein erster privater Besuch bei der "gnädigen Frau", der Burgschauspielerin Katharina Schratt, mit der ihn eine dreißigjährige Freundschaft verbinden sollte, im Zeichen des Tabaks. Katharina Schratt war durch die Initiative Kaiserin Elisabeths in Kontakt mit dem Kaiser getreten, und der Kaiser hatte sich bald überraschend bei ihr zum Frühstück in ihrer Sommervilla in Ischl angekündigt. Die Schratt, der kaum Zeit zur Vorbereitung blieb und die keine guten Zigarren im Haus hatte, rief aufgeregt: "Jessas, und jetzt hab ich nix anderes als eine schlechte Kaiserliche im Haus." 2
Die Zigarren der k. k. Tabakregie wurden nämlich auf Grund der Tatsache, dass der Kaiser vor allem zwei Sorten der Regiezigarren rauchte - die Virginier und die Regalia Media - im Volksmund "Kaiserliche" genannt. In der weiteren Folge ihrer Beziehung wird Katharina Schratt den Kaiser immer wieder mit exklusiven ausländischen Havannazigarren beschenken, wie wir aus dem intensiven Briefwechsel, den der Kaiser mit seiner Herzensfreundin pflegte, erfahren.
Auch über Kaiserin Elisabeth, die mit ihrem exzentrischen Lebensstil immer wieder für Aufsehen sorgte, gibt es tabakanekdotisches zu berichten. Sie soll nämlich beim Kutschieren rauchend gesichtet worden sein. Nun muss man berücksichtigen, dass im Gegensatz zu den vorhergehenden Jahrhunderten der Tabakgenuss dem weiblichen Geschlecht im 19. Jahrhundert strengstens untersagt war. Ja man sah es sogar als grob anstößig an, wenn ein Herr in Gesellschaft einer Dame rauchte. Die Herrn zogen sich daher zum Rauchen in den Rauchsalon zurück - den es übrigens auch in den kaiserlichen Appartements in der Hofburg gab. Wie gravierend der Tabubruch war, den Elisabeth mit ihrem öffentlichen Rauchen begangen hatte lässt sich an der Tatsache ermessen, dass die Begebenheit sogar bis in die Tagebücher des damaligen Polizeiministers Kempen Eingang fand. 3
Dem nicht genug, drang die Ungeheuerlichkeit auch noch über die Landesgrenzen hinaus bis an den englischen Königshof, wo sich Königin Victoria darüber entsetzte.
Der Tabak spielte aber bereits lange vor Kaiser Franz Joseph für die österreichischen Monarchen eine wichtige Rolle. Der erste Habsburger, der die pekuniären Vorteile des Tabaks schätzen lernte war Leopold I. Um eine kostspielige Jagd zu finanzieren brachte ihn sein Oberstjägermeister Graf Khevenhüller 1670 auf die Idee das Monopol für den Tabakanbau und Verkauf - den Tabakappalt - "zur Bestreitung der Ober Ennserischen Jagerey nottdurfft" an ihn zu verpachten. Von da an wurde das Tabakmonopol, unabhängig von den persönlichen Tabakvorlieben der einzelnen Herrscher, einmal mehr einmal weniger unter staatliche Obhut gegeben. Joseph II. stellte schließlich mit seinem Tabakpatent von 1784 die Tabakproduktion endgültig unter staatliche Regie und begründete damit die österreichische Tabakregie. Die wirtschaftliche Geschichte des Tabaks ist in zahlreichen Erlassen, Preistarifen, Verboten und Verordnungen hinreichend dokumentiert.
Doch auch politische Geschichte österreichs lässt sich seit dem 17. Jahrhundert im Dekor der zum Tabakgenuss benötigten Pfeifen und Dosen ablesen: Rauchtabakdosen schildern Schlachten, Siege und Niederlagen, Schnupftabakdosen zeigen die Protagonisten wichtiger politischer Kongresse, Meerschaumpfeifen spielen auf Bündnisse und Verträge an.
Kulturhistorische Bedeutung erlangen die Rauchaccessoires als diplomatische Geschenke oder Auszeichnungen. Die Sitte edelsteinbesetzte Schnupftabakdosen, aufwendig geschnittene Meerschaumpfeifen oder exklusive Zigarren- und Zigarettenetuis zu verschenken wird so sehr Teil der Konvention, dass der ursprüngliche Gebrauchswert des Geschenkes immer mehr in den Hintergrund trat. Beim Austausch dieser Anerkennungen war oftmals weder der Schenkende noch der Beschenkte Tabakliebhaber. So überreichte etwa Maria Theresia Staatsgästen - obwohl sie Tabak so sehr hasste, dass ihr zur Unterschrift vorgelegte Dokumente sorgfältig parfümiert werden mussten um etwaigen Tabakgeruch zu übertünchen - ganz selbstverständlich brillantgeschmückte Schnupftabakdosen mit ihrem Porträt. Desgleichen nahmen entschiedene Tabakgegner selbstverständlich die ihnen zum Geschenk gemachte Tabatičre entgegen, deren Bedeutung der eines verliehenen Ordens durchaus gleichkam.
1 Eugen Ketterl, Der alte Kaiser - Wie nur Einer ihn sah. Der wahrheitsgetreue Bericht des Leibkammerdieners Kaiser Franz Josephs I., Wien-München-Zürich-Innsbruck 1980, S 13
2 Brigitte Hamann (Hrsg.), Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt aus dem Besitz der österreichischen Nationalbibliothek, Wien 1992, S 32
3 Brigitte Hamann: Elisabeth Kaiserin wider Willen, Wien-München 1988, S 134
Ausstellungsobjekte (Auswahl)
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Kaiser Franz Joseph I., um 1915
Ludwig Michalek (1859 - 1942) Kohle auf Leinwand 90,8 x 106,2 cm Inv. Nr. 4156
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Das Porträt zeigt den Kaiser hinter seinem Schreibtisch sitzend bei der Arbeit mit einem Zigarrenspitz aus Meerschaum, eine Regalia Media rauchend, die zu seinen Lieblingszigarren zählte. Der Zigarrenspitz erlaubte dem Kaiser auch während der Arbeit zu rauchen, da er verhinderte, dass ihm der Rauch in die Augen stieg.
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Zigarrenspitz, österreich 1916
Meerschaum, Holz 40 cm Inv. Nr. 134
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Der mit einer Herkunftsbestätigung des Leibbüchsenspanners J. Hoschtalek versehene Zigarrenspitz entstammt dem Besitz Kaiser Franz Joseph I.
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Schnupftabakdose, Wien 1908
Fa. Köchert Gold, Diamanten 11,3 x 9,4 x 5,2 Inv. Nr. 8336
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Diese Prunktabatičre wurde vermutlich zum Regierungsjubiläum Kaiser Franz Joseph I. 1908 angefertigt.
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Prunkfeifenkopf, österreich 1879
Meerschaum, Silber 27 x 30 cm Inv. Nr. 7640
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Der Prunkpfeifenkopf zeigt die Reliefbüsten von Franz Joseph I. und Elisabeth und als Bekrönung das Allianzwappen. In der Beuge des Pfeifenkopfes ist eine Allegorie von Ungarn dargestellt.
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Schnupftabakdose, österreich 19. Jh.
Gold, Email 8,6 x 6,9 x 2,5 cm Inv. Nr. 157
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Diese Geschenktabatičre entstammt dem Besitz von Alois v. Liechtenstein. Sie zeigt umgeben von blauem Emaildekor das Monogramm A unter goldener Krone.
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Zigarettenetui, Wien um 1900
Fa. Scheid Gold, Halbedelstein, Email 8,5 x 5,9 cm Inv. Nr. 9227
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Diese kostbare Geschenktabatičre zeigt das Monogramm Kaiser Franz Josephs I. mit ungarischer Reichskrone. Sie ist ein Beispiel dafür, dass Tabakaccessoires gerne als Auszeichnung verschenkt wurden.
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Zigarrenspitz, österreich 19. Jh.
Fa. Czapek
Meerschaum, Bernstein 20,5 x 8 cm Inv. Nr. 13587
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Der Meerschaumspitz der einen Pferdedressurakt zeigt, war ein Geschenk Kaiser Franz Josephs I. an den Trakkenerdompteur Oskar Carée.
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Pfeifenkopf, österreich 1914-16
Porzellan, Metalldeckel 12,2 x 5,4 cm Inv. Nr. 9281
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Der Porzellankopf ist mit einem Doppelmedaillon mit den Porträts von Wilhelm II. und Franz Joseph I., beschirmt vom preußischen Adler, geschmückt.
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Pfeifenkopf, österreich 1908
Porzellan, Metallmontierung 12,2 x 3 cm Inv. Nr. 8846
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Das Doppelporträt dieses Pfeifenkopfes zeigt den Kaisers in jungen Jahren und in fortgeschrittenem Alter, erklärend dazu ist der Text: "Andenken an das 60jährige Kaiserjubiläum 1848 – 1908".
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Pfeifenkopf, österreich um 1900
Porzellan, Metallmontierung 10,5 x 3,7 cm Inv. Nr. 8869
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Der Porzellankopf ist mit einem Photo des Monarchen, das ihn in Jagdkleidung zeigt, geschmückt.
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Pfeifenkopf, österreich um 1898
Porzellan Metallmontierung 17,7 x 6,3 cm Inv. Nr. 1611
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Der Pfeifenkopf zeigt den Kaiser in Jagdbekleidung und dazu den Text:" Unser Kaiser im Hochgebirge". Franz Joseph, der in einfacher Jagdkleidung für seine Untertanen oft nicht kenntlich war, hatte folgende Begegnung: Ein Holzschläger fragte einmal den ihm unbekannten Kaiser, den er für einen gewöhnlichen Jäger hielt: "Jaga, habt's Fuir?", worauf der leutselige Monarch, darüber belustigt, selbst einen Buchenschwamm entzündete und dem Holzhacker Feuer gab.
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Tabaktopf, Böhmen um 1890
Im Boden "370" Keramik 28 x 3 x 12,3 cm Inv. Nr. 962
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Als Vorlage für diesen Topf diente ein Photo, welches sich auch im Kaiseralbum der Schratt befand. Franz Josephs Kommentar in einem Brief an Katharina Schratt vom 26. September 1888: "In Kreuth wurde ich von einem dortigen Photographen gezwungen mich nach der Jagd, bei welcher ich einen Hirsch so ungeschickt fehlte, photographieren zu lassen. Das Produkt schicke ich Ihnen unter Einem zum beliebigen Gebrauche. Ich finde, dass ich mit den gegen den Himmel erhobenen Augen unendlich dalkert aussehe."
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Tabaktopf, österreich um 1880
Porzellan 15,5 x 16,7 cm Inv. Nr. 647
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Nicht nur Franz Joseph I. sondern auch Elisabeth diente als Modell für Tabaktöpfe.
Lit.: Genuß und Kunst, Schallaburg 1994, p. 274
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Pfeifenkopf, österreich vor 1914
Porzellan, Silbermontierung (Punzen "MW", "PA") 13,6 x 7,2 cm Inv. Nr. 13208
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Das Porträtmedaillon dieses Pfeifenkopfes zeigt eine Büste Franz Ferdinands vor gekreuzten Fahnen und dazu den Text: "Erzh. Franz Ferdinand päsumptiver Thronfolger".
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Pfeifenkopf, österreich 2. H. 19. Jh.
Porzellan 11,5 x 8 cm Inv. Nr. 2919
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Der Porzellanpfeifenkopf zeigt ein Porträt Elisabeths, die zwar nicht Pfeife aber Zigarren rauchte, wie folgende Eintragung des Polizeiminister Kempen in sein Tagebuch bestätigt: "Der Schlosshauptmann tadelte die Haltung der Kaiserin, welche während des Kutschierens rauche, dass es wahrlich mir unangenehm war, derlei anhören zu müssen."
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Pfeifenkopf, österreich um 1881
Porzellan, Metalldeckel 13,2 x 3,8 cm Inv. Nr. 3831
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Auch das Kronprinzenpaare schmückte Porzellanpfeifenköpfe wie dieses Beispiel mit der Inschrift "Rudolf und Stephanie" zeigt.
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Zigarettenetui, Wien 1933
Fa. Carl Hiess Silber, schwarz emailliert 12,3 x 8,6 cm Inv. Nr. 3920
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Das Etui trägt im Inneren eine Erinnerungsinschrift über den 1.-3. Platz bei einem Wettbewerb und die Unterschriftgravur von Fürst Kinsky.
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Zigarettenetui, 20. Jh.
Gold, Brillanten 7,7 x 5,9 cm Inv. Nr. 4014
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Das Etui zeigt auf dem Deckel ein Wappen mit Grafenkrone. Im Inneren befindet sich eine Gravur mit dem Wortlaut: "Mit vielen Dank für 100 Siege, Anton Seilern".
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Zigarrenetui für eine Zigarre, österreich 1890
Silber, Email 17,8 cm Inv. Nr. 624
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Das Zigarrenetui für eine einzelne Zigarre zeigt das Wappen des Grafen Karl Seilern.
Lit.: Rupp/Fellner: Die lasterhafte Panazee - 500 Jahre Tabakkultur in Europa, Wien 1992, p. 153
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Pfeifenkopf, Ungarn um 1831
Meerschaum, Silbermontierung (punz.) 13 x 14 cm Inv. Nr. 1551
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Auch Meerschaumpfeifen wurden mit den Wappen Ihrer adeligen Besitzer geschmückt wie dieser Kopf, der das Wappen des Grafen János Beleznay und die Inschrift "G. Belezay Janos 1831" trägt.
